Infinity - Ein Start mit Operation Sandtrap
Warum das 2 Spieler-Set nicht der optimale Start ist - es aber auch keinen besseren gibt.
Ich hab vor längerer Zeit mit Infinity angefangen. Und auch wenn ich immer noch an der Oberfläche kratze, möchte ich euch mitnehmen auf meiner Reise in die Welt des komplexesten Skirmishers im Tabletop-Bereich - sagt man zumindest und ist bisher auch mein Eindruck. Alles einsteigen! Es wird ein wilder Ritt!
2 Spieler Battlepack - Operation Sandtrap
Operation Sandtrap packt dich am Kragen und zieht dich vom Essentials-Schnupperkurs direkt in die Wüste: mehr Minis, mehr Gelände, mehr Mission – und ja, auch mehr Anspruch, der sofort nach „richtig spielen“ riecht. Das fühlt sich an wie „Endlich loslegen“, nur dass die Box selbst nicht so recht weiß, ob sie dir Schwimmflügel anlegt oder dich gleich ins tiefere Becken schubst. Denn der Inhalt ist noch nicht das 300-Punkte-Spiel-Freischwimmerabzeichen in Gold. Eher so Bronze-Abzeichen.
Zwei 150-Punkte-Listen für Kestrel (PanO) und Shindenbutai (JSA), exklusive Missionen, Würfel, Marker, Matte und ein sattes Paket Karton-Gelände – aufbauen, hinstellen, losspielen, ohne erst den Baumarkt zu plündern. Das beiliegende Heft hält dich bei den Box-Inhalten, während das volle N5-Regelwerk digital wartet, wodurch das Set kompakt bleibt, aber Eigeninitiative beim Regelzugang einfordert. Und ganz wichtig für Einsteiger: Tokens. Nicht alles was man an Tokens braucht, aber schon ne ganze Menge um gescheit spielen zu können.
Die Optik der Minis knallt: JSA mit Neo-Samurai-Vibes, PanO als Hightech-Kolonieeinsatz – beides sofort wiedererkennbar, beides mit Charakter. Metall bedeutet Gewicht und Schärfe, aber auch filigrane Baugruppen und Sorgfalt beim Entgraten und Kleben, was Neulingen handwerklich mehr abverlangt, als die schicke Schachtel vermuten lässt. Zu beachten ist aber, dass die JSA zur Unterfraktion (Sectorial) der Shindenbutai gehören und die PanO zur Sectorialarmee Kestrel Colonial Force. Beides ist nicht einfach mit den Minis aus Start Here Essentials! kombinierbar.
Das Akashi-Site-Gelände bringt schnell dichte Firelanes, klare Blocker und funktionale Missionsräume auf den Tisch, wodurch typisch reaktives Infinity-Spielgefühl sehr fix entsteht. Die Kartonqualität ist robust genug für viele Sessions, auch wenn Varianz und Langzeithärte nach und nach nach Ergänzungen schreien. Wobei - es fehlt ein bisschen die vertikalität. Brücken und ähnliches vermisst man hier und wer sich nen paar Infinity-Tische anschaut merklt schnell: So ein Tisch kann horizontal wie vertikal nicht voll genug sein.
Und schon wie bei Start Here Essentials fehlt ein Konzept neue Spieler heranzuführen. Die Missionen sind mehr eine Art Mini-Kampagne und nicht wirklich Tutorial wie es das noch bei Operation Wildfire war. Während der Inhalt also den Bronzeschwimmer mimt, sagt das Begleitheft mit den Missionen: Wir sind auf hoher See und du sollst einen über Bord gefallenen Kameraden retten - LOS!
Und wenn man sich dann ans Spielen traut, dann darf man sich nun entgültig mit dem richtigen Regelwerk beschäftigen. Und das erschlägt einfach nur. Schon die Zusatzfähigkeiten einer einzelnen mickrigen „Line Infantry“ sind mehr als manch andere Systeme bei ihren wichtigen Figuren haben.
Ehrlich - das überfordert als Anfänger und stellt damit die Frage - für wen ist diese Box?
Die Operation Sandtrap richtet sich offensichtlich nicht an Einsteiger. Fairerweise muss man sagen, sie ist auch nicht Teil der „Start Here!“ Reihe - sie klingt und sieht wie der nächste logische Schritt aus, ist aber für Anfänger mehr ein Tritt in die Magengrube, wenn sie gehofft haben, an Infinity weiter ran geführt zu werden.
Aber für wen ist die Box denn dann? Naja, für alle die 2 Teams im selben Punktebereich auf Augenhöhe haben wollen. Für alle die mit Kestrel und Shindenbutai als Fraktion anfangen wollen. Für alle die coole Minis und tolles Gelände für nen fairen Preis haben wollen.
Die Box ist inhaltlich echt gut. Die Minis sind spannend, die Komposition ist spannend. Kestrel vs. Shindenbutai ist das aktuelle Narrativ der Lore (also gewesen, weil jetzt gerade macht die Lore nen Schritt nach vorne :P )
Und ganz besonders ist die Box ein super Start auf dem man eine Fraktion richtig aufbauen kann. Denn zu einem Battlepack folgt immer ein „Beyond“-Pack. Diesmal also: Beyond Sandtrap. Das erweitert beide Teams Richtung 250 Punkte und ist somit ein sinnvoller nächster Schritt. Man hat also durchaus ein Schritt für Schritt herantasten. Das einzige was Corvus Belli hier versemmelt hat, sind tolle Tutorialmissionen um diese tolle Zusammensetzung auch als Start für neue Spieler zu nutzen. So bleibt es leider dabei, dass man externe Quellen nutzen muss oder sich an die beste Art ein Tabletop zu lernen hält: Spiel mit einem erfahrenen Spieler.
Leider gestaltet sich genau das bei Infinity viel schwerer als bei einem Warhammer - es gibt einfach viel weniger Spielende.
Daher mein Tipp: Nehmt euch die Box und streicht die Profile erst Mal zusammen. Startet ruhig mit den darin befindlichen Einheiten, aber streicht erstmal alles an komplexen Keywords. So das etwas wie Mimetism -3/-6 und ähnliches übrig bleibt, also Keywords, die ganz klare Effekte alas Modofikator haben. Am Anfang geht es eh noch nicht um Balancing, da geht es um verstehen und Spaß haben. Und Spaß macht Infinity mit seinem einzigartigen ARO-System nun Mal. Das Ding knallt einfach richtig!
Was war dein härtester Einstieg in ein Tabletop-System?
















